7 Warnsignale einer schwachen Compliance-Kultur und wie Sie gezielt gegenseteuern

Hände schützen einen Kreis aus Holzfiguren als Symbol für eine starke Compliance-Kultur, verantwortungsvolle Führung und den Schutz der Organisation vor Risiken.

Compliance-Verstöße entstehen selten überraschend. In der Regel gehen ihnen kulturelle Warnsignale voraus, die im Alltag übersehen oder unterschätzt werden.

Wer diese Warnsignale frühzeitig erkennt und systematisch analysiert, kann schwerwiegende Schäden für das Unternehmen, seine Organe und die Mitarbeitenden vermeiden. Gleichzeitig eröffnet sich die Chance, Compliance nicht nur als Kontrollinstrument, sondern als integralen Bestandteil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung zu etablieren.

Warnsignal 1: „Das haben wir schon immer so gemacht“

Woran Sie es erkennen: Kritische Praktiken werden mit Verweis auf Tradition oder gewachsene Abläufe gerechtfertigt. Eine systematische Prüfung der aktuellen Regelkonformität findet nicht statt oder wird als unnötig angesehen.

Warum es gefährlich ist: Märkte, Regulierungen und gesellschaftliche Erwartungen ändern sich. Verhaltensweisen, die früher akzeptiert waren, können heute erhebliche Compliance-Risiken darstellen.

Was Sie tun können:

  • Führen Sie regelmäßige Compliance-Reviews etablierter Prozesse durch. Gerade in der Anfangsphase nach der Einführung neuer Prozesse ist erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich, da sich die neue Arbeitsweise erst schrittweise verfestigt.
  • Fördern Sie kritisches Hinterfragen und schaffen Sie Formate und Möglichkeiten dafür.
  • Änderungen kommunizieren und den Sinn bzw. den Vorteil dahinter hervorheben.

Warnsignal 2: Compliance als „Verhinderer-Abteilung“

Woran Sie es erkennen: Compliance wird primär als Kontroll- oder Bremsfunktion wahrgenommen. Fachbereiche binden Compliance spät ein oder versuchen, Prüfungen zu umgehen.

Warum es gefährlich ist: Eine solche Wahrnehmung führt dazu, dass Risiken erst adressiert werden, wenn Handlungsoptionen bereits eingeschränkt sind. Präventive Steuerung wird durch reaktive Schadensbegrenzung ersetzt.

Was Sie tun können:

  • Etablieren Sie Compliance als unterstützendes Element unternehmerischen Handelns.
  • Beteiligen Sie Compliance frühzeitig an Projekten und Entscheidungen.
  • Messen und kommunizieren Sie den Wertbeitrag von Compliance (verhinderte Risiken, geschützte Reputation).
  • Stärken und schulen Sie Compliance-Mitarbeitende in lösungsorientierter Kommunikation

Warnsignal 3: Schweigekultur bei Problemen

Woran Sie es erkennen: Mitarbeitende sprechen potenzielle Compliance-Risiken nicht an. Hinweisgebersysteme werden kaum genutzt. In Meetings herrscht Schweigen, wenn kritische Themen angesprochen werden könnten.

Warum es gefährlich ist: Unbekannte Risiken können nicht gemanagt werden. Eine Schweigekultur ermöglicht es, dass sich Fehlverhalten etabliert und potenziert.

Was Sie tun können:

  • Stärken Sie psychologische Sicherheit: Wertschätzen Sie kritische Fragen und das Ansprechen von Problemen.
  • Stärken Sie das Vertrauen in Hinweisgebersysteme, kommunizieren Sie transparent, wie mit Hinweisen umgegangen wird.
  • Führungskräfte müssen die gewünschte Fehlerkultur vorleben und Lernprozesse aus Fehlern initiieren.
  • Schaffen Sie niedrigschwellige Kommunikationskanäle (z. B. Compliance-Sprechstunden).

Warnsignal 4: Einseitige Leistungsorientierung durch quantitative Kennzahlen

Woran Sie es erkennen: Ausschließlich quantitative Ziele (Umsatz, Gewinn, Kennzahlen) werden gemessen und belohnt. Wie diese Zahlen erreicht werden, wird nicht hinterfragt.

Warum es gefährlich ist: Wenn der Zweck die Mittel heiligt, entsteht ein Nährboden für Compliance-Verstöße. Mitarbeitende geraten unter Druck, Ziele auch mit fragwürdigen Methoden zu erreichen.

Was Sie tun können:

  • Ergänzen Sie quantitative Ziele um qualitative Erfolgskriterien (z.B. Einhaltung von Richtlinien).
  • Implementieren Sie Anerkennungssysteme, die regelkonformes Verhalten honorieren.
  • Machen Sie deutlich, dass Zielerreichung unter Verstoß gegen Richtlinien nicht akzeptiert wird.
  • Überprüfen Sie Anreizsysteme auf potenzielle Fehlanreize.

Warnsignal 5: Unklare Verantwortlichkeiten

Woran Sie es erkennen: Bei Compliance-Fragen ist unklar, wer zuständig ist. Verantwortung wird hin- und hergeschoben. Es fehlen klare Eskalationswege.

Warum es gefährlich ist: Diffuse Verantwortlichkeiten führen dazu, dass sich niemand wirklich verantwortlich fühlt. Im Ernstfall können auch Haftungsrisiken für Unternehmensorgane entstehen.

Was Sie tun können:

  • Überprüfen Sie die Verantwortlichkeiten und schärfen Sie bei Bedarf nach. Definieren Sie klar, wer für welche Aspekte verantwortlich ist.
  • Kommunizieren Sie diese Verantwortlichkeiten transparent.
  • Schulen Sie Führungskräfte zu ihrer Compliance-Verantwortung

Warnsignal 6: Schulungen werden als "Pflichtveranstaltung" wahrgenommen

Woran Sie es erkennen: Compliance-Schulungen werden als lästige Pflicht wahrgenommen. Teilnehmende klicken sich durch E-Learnings, ohne sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Nach Schulungen ändern sich Verhaltensweisen nicht.

Warum es gefährlich ist: Reine Wissensvermittlung ohne Verhaltensänderung verpufft wirkungslos. Gleichzeitig wiegt sich die Organisation in falscher Sicherheit („Wir haben doch geschult“).

Was Sie tun können:

  • Gestalten Sie Schulungen praxisnah mit konkreten Situationen aus dem Arbeitsalltag
  • Nutzen Sie interaktive Formate statt reiner Wissensvermittlung.
  • Binden Sie Führungskräfte aktiv in Schulungen ein.
  • Schaffen Sie kontinuierliche Lernformate statt jährlicher Pflichtveranstaltungen.

Warnsignal 7: Doppelmoral bei Führungskräften

Woran Sie es erkennen: Compliance wird kommuniziert, aber nicht konsequent vorgelebt. Regelverstöße auf Führungsebene werden relativiert oder toleriert.

Warum es gefährlich ist: Nichts ist schädlicher für die Compliance-Kultur als wahrgenommene Doppelstandards. Mitarbeitende orientieren sich am beobachteten, nicht am kommunizierten Verhalten. Wahrgenommene Doppelstandards untergraben Glaubwürdigkeit und Akzeptanz von Compliance-Regeln nachhaltig.

Was Sie tun können:

  • Etablieren Sie einen einheitlichen Verhaltenskodex für alle Hierarchieebenen.
  • Machen Sie Regelverstöße von Führungskräften konsequent zum Thema.
  • Integrieren Sie Compliance-Kennzahlen in Führungskräfte-Bewertungen.
  • Sensibilisieren Sie Führungskräfte zu ihrer Vorbildfunktion und kulturprägenden Wirkung.

Der Weg zu einer starken Compliance-Kultur

Das Erkennen dieser Warnsignale ist der erste Schritt. Entscheidend ist die anschließende ehrliche Standortbestimmung: In welchem Umfang sind diese Muster in der eigenen Organisation vorhanden?

Eine wirksame Compliance-Kultur entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch ein konsistentes Zusammenspiel auf drei Ebenen:

  • Strukturebene: Klare Richtlinien, definierte Verantwortlichkeiten, wirksame Prozesse und angemessene Ressourcen.
  • Verhaltensebene: Führungskräfteentwicklung, Trainings, Anreizsysteme und Feedbackmechanismen, die regelkonformes Verhalten fördern.
  • Werteebene: Glaubwürdige Kommunikation von Unternehmenswerten, konsequente Vorbildfunktion der Führung und Integration von Compliance in die Unternehmensidentität.

Fazit: Compliance-Kultur ist kein Zufall

Organisationen mit einer starken Compliance-Kultur entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis bewusster Gestaltung, konsequenter Führung und kontinuierlicher Weiterentwicklung.

Auch wenn mehrere der beschriebenen Warnsignale zutreffen, ist dies kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt. Mit einer klaren Strategie, der Unterstützung der Unternehmensleitung und der Bereitschaft zur kulturellen Weiterentwicklung lassen sich nachhaltige Verbesserungen erzielen.

Eine starke Compliance-Kultur schützt nicht nur vor rechtlichen und wirtschaftlichen Schäden, sondern stärkt Vertrauen, Reputation und langfristige Zukunftsfähigkeit der Organisation.

 

Die CORE Developing Culture GmbH verfolgt in ihrer Beratung zur Entwicklung einer wirksamen Organisations-, Führungs-, Risiko- und Compliance-Kultur einen ganzheitlichen Ansatz, der wirtschaftliche und verhaltensorientierte Aspekte miteinander verknüpft.

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